Hinter deiner Wirklichkeit ein Urban-Fantasy von Marco Rauch

Marco Rauch – Hinter deiner Wirklichkeit – Die Bürde des Engels

Der Urban-Fantasy-Roman von Marco Rauch handelt von Markus, der bei einem Krankenfahrdienst arbeitet und ehrenamtlich auf einer Kinderstation eines Krankenhauses hilft. Im Kindesalter entdeckt er zufällig seine Gabe zu heilen, als seine Mutter sterbenskrank wurde und durch ihn geheilt wird. Es ist nicht einfach, mit dieser Gabe zu leben, denn nicht alle Menschen können geheilt werden, manche sind und bleiben sterbenskrank. Liebevoll geht er auf die kranken Kinder ein, liest ihnen Geschichten vor, bringt ihnen Abwechslung in ihr Leben und zaubert ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder.
Ein Buch, in dem es um die Gerechtigkeit in der Welt geht, um die Frage nach Gott und warum die Kleinsten so leiden müssen. Immer wieder setzt sich Markus mit sich selbst auseinander, warum gerade er die Heilkraft hat, warum manche Kinder zu heilen sind und manche sterben müssen.
Seine Freundin Daniela ist die einzige Person, die seine Gabe kennt und die ihn immer wieder unterstützt, wenn er zweifelt, ob der Weg der richtige ist.
Der Autor, Marco Rauch, den ich von der Schreib-Lust kenne, einem Online-Literatur-Projekt, wagt sich hier an ein Thema, über das in der Gesellschaft nicht gerne gesprochen wird. Die Thematisierung vom Tod eines Kindes wird dabei behutsam angegangen und doch auf den Punkt gebracht. Der Schriftsteller hat selbst als Pflegehelfer gearbeitet, dadurch wirken seine Protagonisten authentisch. Absolut sympathisch finde ich, dass Daniela Markus als Engel bezeichnet, aber nicht weil er heilen kann, sondern, weil er sich kümmert und hilft, dass die Kinder einen Moment die Schmerzen vergessen. Und dies kann jeder von uns! Denn Engel gibt es immer wieder.
Markus ist übrigens ein Fan von Fiddler´s Green einer deutschen Folk-Rock-Band aus Erlangen, wer irischen Folk mag, kommt hier auf seine Kosten.
Am Ende bekommt das Buch eine Wendung, mit der ich nicht gerechnet habe.
Es ist der erste Roman von Marco Rauch, aber wir dürfen mehr erwarten, da dieses Buch der erste Band einer Trilogie ist. Hinter deiner Wirklichkeit ist im Self-Publishing im Jahr 2021 erschienen und kann hier erworben werden. Interessant ist das Making-of des Romans am Ende. Für das Buch hat er eine eigene Homepage hochgeladen, hier findet Ihr auch eine Leseprobe.

Abby Fabiaschi – Für immer ist die längste Zeit

Abby Fabiaschi – „Für immer ist die längste Zeit“ – Roman

Ich habe die deutsche Übersetzung von Barbara Christ gelesen, das im Fischerverlag erschienen ist.
Die Autorin erzählt aus drei Perspektiven – der Mutter (Maddy), dem Vater (Brady) und der Tochter (Eve). Maddy ist jedoch gestorben, durch einen Sturz von einem Haus. Was genau passiert ist, erfährt der Leser erst am Ende des Romans und die Spannung bis dahin hält die Autorin bis zum Schluss aufrecht. Immer wieder lässt sie kleine Hinweise einstreuen, die einen teilweise auch auf die falsche Fährte bringt. Bereits das ist schon bemerkenswert. Dazu kommt, dass Maddy zwar tot ist, aber noch nicht ganz in der anderen Welt angekommen ist, sondern sich in einer Zwischenwelt befindet. Die Mutter kann damit ihre Familie weiterhin beobachten und wie sie nach und nach feststellt auch ein wenig lenken. Am Anfang noch etwas ungeschickt, schließlich ist die Situation für Maddy auch neu, aber am Ende schafft sie es immer mehr die Menschen zu beeinflussen, wie sie es möchte. Dies ist praktisch, denn Maddy möchte, dass ihre Familie nach ihrem Tod wieder glücklich wird, deshalb versucht sie ihre pubertierende Tochter zu trösten und sucht für ihren Mann eine neue Frau, die natürlich perfekt passen sollte. Problem an der Sache ist, dass Maddy nicht weiß, wie viel Zeit ihr noch zum Richten der Dinge bleiben, denn sie stellt fest, dass der Zwischenraum tatsächlich nur eine vorübergehende Angelegenheit ist auf dem Weg in den Himmel.
Brady und Eve hingegen haben ein schwieriges Verhältnis miteinander gerade nach dem Tod der Mutter. Ein Glück ist Maddy noch da, um die beiden ein wenig zu lenken, damit sie sich wieder annähern können. Bereits am Anfang findet Brady das Tagebuch seiner Frau und liest darin, auch wenn es nicht immer erfreulich ist, was er hier lesen muss. „Wie KANN er es wagen, das zu verpassen. Ich kann es sein, dass ein so intelligenter Mensch nicht in der Lage ist, einer derartigen Selbstverständlichkeit Priorität einzuräumen? ´ich weiß, es ist beschissen, Maddy´, hat er gesagt. Aha – beschissen. Nein, du unfassbar kurzsichtiger Arsch, beschissen ist, wenn man in Urlaub fährt und Durchfall kriegt.“ Immer wieder wird Brady vor Augen gehalten, dass er einige Fehler in der Ehe und in der Beziehung mit seiner Tochter gemacht hat. Durch das Lesen im Tagebuch erhofft er sich jedoch Antworten auf seine Frage zu bekommen, warum sich seine Frau umgebracht hat. Diese Antwort erhält er am Ende des Buches, allerdings nicht durch das Tagebuch.
Mit sehr viel Witz und Ironie erzählt die Autorin die Geschichte, der Familie, in der es Probleme gibt, wie in fast jeder Familie. Wie Vater und Tochter ihre Trauer bewältigen, ist teilweise sehr rührend geschrieben (manchmal ein wenig zu dick aufgetragen), sodass einem beim Lesen die Tränen kommen. Deshalb ist es gut, dass das Buch auch viel Humor aufweist, denn dadurch können sich Weinen und Lachen abwechseln.

Abby Fabiaschi lebt in Connecticut und „Für immer ist die längste Zeit“ ist ihr erstes Buch, welches 2017 erschienen ist.

Jorge Bucay – Komm ich erzähl dir eine Geschichte

Jorge Bucay – komm, ich erzähl dir eine Geschichte

Das wirklich sehr kleine Buch handelt von dem Psychoanalytiker Jorge, der seinem Patienten Demian Geschichten bei den Therapiesitzungen erzählt. Wenn ich sage klein, dann meine ich die tatsächliche Größe, die mit 9,5cm mal 14,5cm und 331 Seiten recht klein ist für ein Buch.
Einige der Geschichten kannte ich bereits vorher in dieser oder einer ähnlichen Form, einige lese ich das erste Mal und bin begeistert. Diese kleinen Geschichten, die Jorge hier erzählt, verbergen natürlich immer eine Lebensweisheit. Einige dieser Erzählungen stammen von Jorge Bucay selbst, andere sind überlieferte Sagen oder Märchen.
Zwischen den Geschichten unterhalten sich Demian und Jorge über die Probleme des Patienten. Ich war mir zunächst unschlüssig, ob dieser Übergang wirklich notwendig ist, habe mich aber insbesondere am Ende des Buches sehr über diese Diskussionen zwischen Jorge und Demian gefreut. Der Vorteil dieser Zwischensequenzen ist, dass die Lebensweisheit der Geschichte oder des Märchens bereits erläutert wird, denn es hat immer einen Grund, warum der Analytiker Jorge gerade diese Geschichte dem Patienten erzählt. So kann der Leser, die Erzählung direkt intensiver lesen und bereits während des Lesens über die Lehre nachdenken und muss nicht erst nach dieser suchen. Es gibt einige Weisheiten über Lügen im Leben, hier war die Unterhaltung dazwischen bereits zum Nachdenken.
Ein wunderschönes Buch, welches bei mir nun auf der Liste steht „Bücher, die man gut verschenken kann“. Solche kleinen Aufmerksamkeiten bringt man gerne als Geschenk für andere mit. Dieses Buch verleitet einen über das Leben an sich und über sich selbst nachzudenken. Jedoch nicht mit schwerer Kost, sondern eben mit diesen Geschichten, dadurch bleibt es unterhaltsam und witzig. Ironisch betrachtet Jorge Bucay auch sich selbst, der sich in dem Buch häufig “Der Dicke” nennt.
Ich habe gerne die Diamenten in den einzelnen Erzählungen gesucht und manchmal auch gefunden.
Ich habe die deutsche Übersetzung aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach gelesen, diese erschien 2008 im FISCHER Verlag. Die Originalausgabe wurde 1999 veröffentlicht unter dem Titel „Déjame que te cuente…“
Jorge Bucay wurde 1949 in Buenos Aires geboren, ist sowohl Autor als auch Psychiater und Gestalttherapeut. Seine Bücher sind von seiner eigenen therapeutischen Arbeit geprägt.

Die Geschichte der Bienen – Roman von Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen – Roman von Maja Lunde – deutsche Übersetzung von Ursel Allenstein

Maja Lunde erzählt von drei Generationen, in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Jede dieser Generation ist mit dem Thema Bienen beschäftigt in ihrer Zeit und dies ist auch die Verbindung, die diese drei Familiengeschichten zusammenbringt.
Da ist zum einen Tao in China im Jahr 2098, die die Obstbäume per Hand bestäuben muss, weil es keine Bienen mehr gibt. Durch Misswirtschaft und Umweltprobleme kam es dazu. Die Zukunft ängstigt mich als Leser, aber veranlasst mich auch, sich näher mit dem Thema der Bienen und ihrem Sterben zu beschäftigen.
Wilhelm lebt in England im Jahr 1852. Er hat seinen Lebensmut verloren, weil sein Mentor ihn verlassen hat. Durch eine glückliche Fügung und eines seiner Kinder bekommt er eine Idee, die die Bienenzucht revolutionieren soll.
Georg kommt aus Ohio und seine Geschichte beginnt 2007. Hier beginnt das Bienensterben und noch weiß keiner so genau, warum. Natürlich gibt es Vermutungen und immer mehr Imker sind davon betroffen.
Alle drei Protagonisten haben wiederum Kinder, die ebenfalls mit dem Thema Bienen in Berührung kommen. Die Autorin zeigt uns mit der Verbindung zu den direkten Kindern den Konflikt auf, der zwischen Eltern und Kindern besteht, gerade wenn es um Traditionen geht. Dieser wird sehr anschaulich von ihr erzählt. Maja Lunde verwendet die Ich-Perspektive, dadurch lernt man zwar nur die Sicht des jeweiligen Erzählers kennen. Im Laufe der Geschichte versucht sich jedoch das jeweilige Elternteil sich immer mehr auch auf die nachfolgende Generation einzulassen. Diesen Konflikt hat die Autorin sehr gut herausgearbeitet und sich entwickeln lassen.
Maja Lunde lässt uns an den Ängsten, Sorgen und auch Hoffnungen der Generationen teilhaben. Ein Band wird im Laufe des Buches immer mehr sichtbar, durch das die Familien verbunden sind.
Bereits beim Lesen stellt sich der Leser die Frage, wie wir mit der Umwelt umgehen? Was können und sollten wir verändern? Wie gehen wir mit unseren Kindern um und was hinterlassen wir für eine Welt unseren und den nachfolgenden Generationen? Die Autorin trifft unseren Zeitgeist und sollte uns mit den dringenden Fragen des Umweltschutzes lassen.
Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch lebt. „Die Geschichte der Bienen“ erschien 2015 unter dem Originaltitel „Bienes Historie“. Im Jahr 2017 war es der meistverkaufte Roman in Deutschland.
Ein empfehlenswertes Buch, um sich mit der Umweltproblematik auf eine besondere Weise zu nähern.